Pas de Problem

Pas de Problem

Ich dachte immer, „Pas de Problem“ würde sowas wie „Kein Problem, das lösen wir ganz einfach, schnell und zur vollsten Zufriedenheit“ bedeuten…
In einer marokkanischen Werkstatt habe ich eine andere Bedeutung gelernt, aber dazu jetzt mehr im Detail:

Da offensichtlich ein Radsensor defekt ist und dadurch weder ABS, noch ESP, Allrad oder die Untersetzung schalten ließ, beschlossen wir die viel gepriesene und beste Werkstatt in Zagora anzufahren und waren guter Dinge, schnelle und fachlich fundierte Hilfe zu bekommen. Schließlich hat sogar unsere Fachwerkstatt in Deutschland kommentiert: „Die Werkstätten in Marokko sind schon ok, die können was!“
Wir sind einigermaßen rechtzeitig am Freitag gegen 18:00 Uhr an der Werkstatt gewesen und sofort kümmert sich ein Mitarbeiter um uns. Ruck-zuck hatte er ein Diagnosestecker eingestöpselt und den Fehler, ein defekter Radsensor, diagnostiziert. Leider hatte er gerade kein passendes Ersatzteil und so erklärte er, das er versuchen wolle den defekten Sensor zu reparieren. Fast gleichzeitig erklärte uns der Chef der Garage, das unsere Federn hinten für das Gewicht zu schwach seien – und er hatte natürlich auch Recht damit. Unsere Mupfel hängt hinten tatsächlich deutlich durch. Er machte uns das Angebot, für 4.500 DH incl. alles ein Paar zusätzliche Federn hinten einzubauen – Pas de Problem!

Die alten Federn sind tatsächlich nicht mehr ok

Auch die Reparatur der hinteren Schürze (sie hatte hinten „leichten“ Bodenkontakt und war ein wenig verknittert) könne er incl. Lackieren erledigen. Das Blech (gleiches Muster) hat er und man wird anschließend nicht mehr erkennen, das ein Schaden vorhanden war … Pas de Problem! Er wollte uns am folgenden Tag noch den Preis nennen und sich das ok für die Reparatur holen – Pas de Problem!


Das wird unser Campingplatz für die nächsten 5 Tage, 4 mehr als wir zunächst dachten …

Tatsächlich ging es dann am Samstag fix los, die Marokkaner fackeln da nicht lange. Die Zusatzfeldern wurden auch zwischendurch geliefert und waren bereit montiert zu werden. Dann kam der Schock: Die oberste Feder auf einer Seite war zur Hälfte gebrochen.

Die Analyse war einfach: Der Bruch/Riss war schon älter, aber so wollte ich die Feder natürlich auch nicht mehr einbauen lassen. Pas de Problem, in 1-2 Tagen haben wir eine neue Feder besorgt. Ok, dann bleiben wir halt noch etwas länger …
Zwischendurch begann die Arbeit an unserer hinteren Schürze und noch bevor wir nach Preis etc. fragen konnten war schon ein Teil der alten Schürze mit der Flex durchgeschnitten. Nach dem ich auch kurz danach entdeckt hatte, das das Blech eben nicht gleich, sondern nur ähnlich war, war der Frieden zwischen mir und dem Werkstattleiter gestört. Die Weiterarbeit habe ich nur noch erlaubt um einen Zustand herzustellen, mit dem eine Weiterfahrt möglich ist – mehr nicht.
Der Blechschlosser hat trotzdem sein Bestes gegeben und auf miserable Art die Schürze irgendwie mit Hammer und ohne Verstand hinzubiegen – reicht um nach Hause zu kommen, ist aber sehr sehr weit von „wie neu“ entfernt.

Ach ja, war ja noch das Problem mit dem Sensor. Am Montag haben wir nochmals erinnert, das der Sensor höchste Priorität hat. Pas de Problem – plötzlich wurde auch daran wieder gearbeitet und am Dienstag funktionierte es tatsächlich.
Auch die neuen Federn wurden am Dienstag gegen 16:00 Uhr geliefert. Die Montage sollte dann am Mittwoch passieren. Meine Reaktionen (Blick, Körperhaltung etc.) haben ihn dann doch dazu bewogen „Pas de Problem“ machen wir heute noch …
Da die Feder natürlich nicht original war (war zwar für Sprinter, aber offensichtlich für ein anderes Modell) passte auch die Bohrung der Aufnahme am Fahrgestell nicht und musste aufgebohrt werden. Die Bohrung habe ich gesehen, gemeckert weil sie ca. 4 mm außer mittig verlaufen ist. So kommt die Feder nicht da rein, also das ganze Paket gegen ein neues getauscht, so geht`s. Wenn ich es nicht gemerkt hätte, dann wäre es so eingebaut worden – nach dem Motto: „keiner hat es gesehen und Probleme kommen ja erst nach ein paar tausend Kilometer, da ist der Kunde längst zu Hause mit abgerissener Halterung und kommt sicher nicht mehr zurück zur Garantie – ha ha ha“!
Die Arbeit an dem Tag hat dann doch alles länger gedauert, aber unser Angebot doch morgen weiter zu machen wurde konsequent abgelehnt – Pas de Problem hieß es nur!
Kurz vor 22:00 Uhr war dann aber trotzdem Schluss. „Muss morgen noch alles genau checken, Mittag ist dann alles fertig – Pas de Problem!“
Am nächsten Morgen habe ich dann das Problem erkannt: Das Federpaket mit der Zusatzfeder ist einfach zu dick und der Stoßdämpfer dafür zu kurz. Die Werkstatt wollte irgendwie eine Halterung bauen um dadurch den Dämpfer einbauen zu können. Das habe ich abgelehnt und gefordert, das die zusätzlichen Federn wieder raus kommen. Ich hatte schon erkannt, das die neuen, nicht originalen ein Stück dicker und kräftiger sind als die alten, somit sollte das Heck auch ohne zusätzliche Feder wieder etwas höher kommen. So war es dann auch.

Es hat dann tatsächlich fast alle ohne Beanstandung funktioniert. Die Sensorkabel waren nicht richtig befestigt! Dann waren da noch die Ventilumlenkung des äußeren Zwillingreifens. Bei der Montage hat die wohl jemand aus der Befestigung gedrückt und sind dann natürlich während der Fahrt kaputt gegangen.

Fazit: Werkstatt in Marokko nur im äußersten Notfall, und auch nur mit größter Vorsicht und unter voller Beobachtung. Vertrauen auf keinen Fall, absolute Kontrolle ist wichtig. Im Zweifel jemanden mit fachlichen Kenntnissen um Unterstützung bitten.

Eins ist mir allerdings bei der Beobachtung während der Zeit in Zagora auch klar geworden: Wir haben noch die beste Werkstatt erwischt. Andere arbeiten noch viel viel schlimmer. Da wird ganz viel rumgebastelt von „Mechanikern“, die überhaupt keine Ahnung haben. Fehleranalyse scheint es nicht zu geben. Eine erfolgreiche Reparatur ist nur das Ergebnis von vielen Versuchen. Ob es am Vergaser oder der Zündung gelegen hat bleibt ein Geheimnis.

Ach ja, was heißt „Pas de Problem“ den nun wirklich? Ich habe gelernt das es „Lass mich in Ruhe – ich habe keine Ahnung – du nervst mich“ bedeutet!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

    1. Schön das es bei dir funktioniert hat. Die Reparaturarbeiten an unserem Sprinter müssen jedoch komplett neu gemacht werden. Auch Schäden, die durch die Werkstatt verursacht wurden müssen zu Hause schnellstens korrigiert werden.
      Genau so war auch mein Eindruck bei Arbeiten an anderen Fahrzeugen. Da wird ohne Hemmung an Blattfedern geschweißt (Geschweißt ist sogar übertrieben: Loch an Loch angebraten würde ich eher sagen) und nicht einmal die Schlacke entfernt. Von Rostschutz ganz zu schweigen …

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